Über den Umgang in der Gesellschaft mit kreativen Berufen Teil 1

Heute schreibe ich über ein Thema, das mich immer wieder umtreibt. Es ist schon vielfach was dazu gesagt worden, ja. Aber da auch ich das Rad nicht neu erfinden kann, kommen hier nun meine zwei Cents zu dieser Sache.

Die Sache mit der Berufsgruppe

Es ist so: „Normalerweise“ (was ist schon normal?) gibt es eine Berufsausbildung und wenn man damit fertig ist, gehört man dann zu einer bestimmten Berufsgruppe. Aber längst nicht alle Berufe, die es gibt und die geschaffen werden, verlangen eine spezifische Ausbildung. Und längst nicht alle Berufe kann man mit nur einer Ausbildung erreichen. Warum ist das dann aber gerade da so schwer, sich zu definieren, sich gesellschaftlich in dieser Berufsgruppe zu verorten?

Wann ist eigentlich der Zeitpunkt, ab dem man ganz offiziell sagen kann: „Ich bin Schriftstellerin“? Diese Frage habe ich schon sehr oft in Foren oder Facebook-Gruppen gelesen. Und auch wenn einige Kollegen und Kolleginnen ihre Antwort schon gefunden haben, gibt es doch einige, die das verunsichert. Die Zusatzfrage, die dann meist folgt, lautet dann: „Hast du denn schon was veröffentlicht?“

Zwei Gegenfragen:

Frage 1: Hängt es wirklich davon ab, etwas Vorzeigbares geschaffen zu haben; etwas, das andere bewerten und beurteilen können?

Frage 2: Muss man damit Geld verdient haben? Kann ich mich also etwa erst dann Schriftstellerin nennen, wenn ich etwas an meiner Schreiberei verdient habe?

Der Unterschied zwischen Beruf und Berufung

Diese zwei Begriffe sind hierbei essenziell. Laut Duden beschreibt der Begriff Beruf eine „Tätigkeit, mit der jemand sein Geld verdient“ während Berufung als „eine besondere Befähigung, die jemand als Auftrag in sich fühlt“, definiert wird. Das heißt also, dass Berufung eher den inneren Aspekt, den eigenen Anteil, die eigene Freude berücksichtigt. Reicht das nicht aus, um sich zugehörig zu fühlen? Ist es nicht eher ein zusätzlicher Jackpot, wenn sich Beruf und Berufung gleichen; ein Ideal, welches nicht jeder zu erreichen vermag?

Viele Kunstschaffende sind sich einig, dass es nicht das Geld ist, das man am Ende eines Auftrags in den Händen hält, was einen zum Künstler macht. Es ist das Gefühl, die Ekstase, wenn die Finger über die Tasten gleiten. Die Freude, die dein Herz erfüllt, wenn du siehst, wie nach und nach ein Werk entsteht. Der innere Zwang, wenn alles in dir dich zum Schreibtisch beordert und du unweigerlich schreiben musst, um glücklich im Leben zu sein.

Und doch, wenn ich an mich zurückdenke: Lange hatte ich Hemmungen, mich Autorin oder Schriftstellerin zu nennen, obwohl ich seit ich denken kann Geschichten erzähle und seit ich schreiben kann Worte zu Papier bringe. Aber etwas in mir hielt mich lange davon ab, meine Berufung meiner Person zuzuordnen.

Ich sagte mir immer: „Ich werde einmal Autorin. Das ist mein Wunsch, das möchte ich erreichen.“ Dabei sah ich lange Zeit nicht, dass ich schon längst Schriftstellerin bin. Wenn auch mein erster Roman und meine vielen Kurzgeschichten unveröffentlicht sind. Aber ich habe etwas geschaffen. Etwas, das von mir unabhängig ist und mich überdauern wird. Aber das nicht unbedingt öffentlich sein oder von anderen beurteilt werden muss, damit ich mich Autorin nennen kann.

Es war während meines Studiums, als mir diese Erkenntnis kam und ich das innerlich für mich annehmen konnte. Die Berufung, die man in sich fühlt, muss nicht jedem zugänglich sein. Es reicht, sie für sich selbst auszuleben, um zugehörig zu sein. Mich selbst sah ich jetzt als Schriftstellerin, mein „Geschreibsel“, wie ich meine Geschichten und Artikel immer nannte, war jetzt so etwas wie meine Arbeit.

Und doch…

Ich konnte es für mich annehmen, hatte ein besseres Selbstbild. Nach außen konnte ich es jedoch kaum tragen. Irgendwas hielt mich davon ab. Der Aspekt des Geldverdienens?

Ja. Oder vielmehr gesellschaftlicher Druck. Gerade hier in Deutschland steht Arbeit und Geld verdienen hoch. Arbeit wird unterschiedlich gewichtet. Je nachdem, was du arbeitest, bist du pauschal gesagt mehr oder weniger wert. Fast nach dem Motto: Sag mir, was du arbeitest und ich sag dir, wer du bist.

Wenn man miteinander ins Gespräch kommt, steht zuerst der Beruf im Vordergrund. „Und, was machst du so?“, fragt man sich, bevor man die gegenseitigen Berufsbezeichnungen austauscht. Warum ist das so? Mich hielt das lange davon ab, meine Absicht, Berufung und Beruf zu vereinen, nach außen zu tragen. Ich fragte mich: Ja, ich verdiene noch kein Geld damit, ist das dann keine Arbeit?

Gesellschaftlich wird dir unmissverständlich klar gemacht: Lern was und geh arbeiten, verdiene damit Geld. Trotz Generation X, Y, Z und Influencermarketing der scheinbar unendlichen Möglichkeiten. Warum lassen wir uns so durch andere Ansichten prägen?

Weil es der Glücksfall ist, wenn man sein Hobby quasi zum Beruf macht und davon leben kann? Vielleicht. Und selbst wenn man nicht zu der kleinen Prozentzahl gehört, ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied. Wenn ich das nicht schaffe, muss ich das in allererster Linie vor mir selbst verantworten. Das ist bei jedem Beruf so. Und auch wenn man Sozialhilfe in Anspruch nimmt, ist man damit kein Schmarotzer oder weniger wert, weil man dies ja hätte wissen können mit so einem Beruf.

Weil es ja keine Arbeit sein kann, wenn sie nicht anstrengend ist? Unsinn. Arbeit, die aus dem Herzen kommt, fühlt sich vielleicht weniger sperrig an und trotzdem ist es Arbeit. Trotzdem muss ich mich anstrengen, muss mich hinsetzen, immer wieder aufs Neue weiter machen. Und am Ende des Tages bin ich genauso müde wie ein Mensch, der körperlich viel arbeitet.

Weil es andere scheinbar besser wissen? Irrtum! Niemand weiß besser als man selbst, was gut für einen ist und was man besser sein lässt oder wie man Dinge anpackt.

Weil die Welt keine Fantasten und Träumer braucht? Unbedingt braucht sie die. Wo wären wir denn ohne „Träumer“ und ihren Ideen?

Langsam wurde das auch mir klar und auch, dass ich mich dadurch viel zu sehr habe bremsen lassen.

Jetzt bin ich seit Kurzem selbstständig und trete öffentlich als Autorin und Lektorin auf und ich sage das mit Stolz. Auch wenn ich noch kaum Berufserfahrung habe, auch wenn ich keinen „sicheren“ Job habe und es für mich keine Arbeit in dem Sinne bedeutet, weil es aus dem Herzen kommt. Ich muss kein Geld damit verdient haben, um meine Berufung meinen Beruf zu nennen, um ganz laut sagen zu können: „Ich bin Schriftstellerin und Lektorin.“ Wenn mich jetzt jemand fragt: „Was machst du?“, antworte ich mit Stolz. Die Fragen nach Veröffentlichungen etc. lasse ich nicht mehr an mich heran. Und seither trage ich das mehr und mehr in die Öffentlichkeit. Ich spüre keine Unsicherheit mehr in mir, weil ich erkannt habe, dass ich mit mir selbst im Reinen sein muss.

Und jetzt?

Vielleicht, lieber Leser oder liebe Leserin, dachtest du dir das alles schon. Vielleicht ist dir schon längst klar, dass du selbst bestimmst, wer und was du sein möchtest. Und während du das liest, fragst du dich vielleicht, warum ich das alles erzähle, wenn ich mich doch selbst dem Druck gebeugt und gehadert habe. Aber wenn das hier nur einer liest, der sich jetzt denkt: „Ja stimmt, warum lasse ich mich von anderen unter Druck setzen? Ich bin schon längst Autor, Künstler etc.“, dann habe ich meinen Soll erfüllt. Lasst euch nicht vom Druck der Gesellschaft bestimmen. Wenn ihr von Herzen etwas seid, dann seid ihr das. Lasst euch das nicht ausreden, tragt es nach außen und lebt euer Leben!

Fortsetzung folgt…

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