Schreibtipp: Die richtige Menge von allem

Warum zu viel Show aus deinem Roman nicht unbedingt einen Bestseller macht und auch ein bisschen Telling angesagt ist und wie man das am besten anstellt.

Eine Regel, die uns Autoren immer wieder begegnet und die uns unweigerlich eingeprügelt wird, damit unser Roman funktioniert, ist: Show don’t tell! Aber was bedeutet das? Im Grunde heißt das nichts anderes, als dass man mehr zeigen statt benennen soll. Das heißt, Gefühle und Situationen werden dem Leser nahegebracht, indem so detailliert wie möglich beschrieben wird.

Das Ziel dabei: Die Erzeugung von Realität. Der Leser soll sich mit dem Geschriebenen identifizieren, er soll sich mitgenommen fühlen, emotionales Investment tätigen und ganz aktiver Teil der Geschichte sein.

Was ich dabei immer wieder feststelle (und das stellt jetzt nur meine subjektive Meinung dar): Es funktioniert bei mir nicht. Im Gegenteil, unter knapperen Beschreibungen kann ich mir meist mehr vorstellen. Dinge, die ich kenne, brauche ich nicht in allen Einzelheiten. Und vor allem bei Figuren überlese ich bei zu detaillierter Beschreibung manches.

Warum? Weil es die Handlung nicht weiterbringt. Man tritt auf der Stelle, hält sich mit Irrelevantem auf und eine Seite später hat man einiges schon wieder vergessen.

Aber: Wie finde ich nun das richtige Verhältnis von Show und Tell, wenn ich selbst schreibe?

Das habe ich mich auch immer gefragt, bzw. frage ich es mich manchmal noch. Wenn man in der eigenen Geschichte drin ist, dann ist es manchmal schwer, das richtige Maß zu finden. Oftmals kommen dann Gedanken, wie:

„Hmmm, vielleicht sollte ich da noch etwas mehr schreiben.“

„Das wirkt so kurz und oberflächlich.“

„Bringt es das, was ich ausdrücken wollte, rüber?“

„Ist da jetzt genug Tiefe drin?“

„Aber ich muss doch eine bestimmte Länge erreichen.“

Meistens sind diese Selbstzweifel unnötig und doch blockieren sie manchmal extrem stark. So sehr, dass wir am liebsten aufgeben und das Manuskript in den nächsten Papierkorb werfen möchten. Was kann da helfen?

Höre auf deinen Meister

… Oder so ähnlich.

Im Literaturunterricht meiner früheren Schule hat mir eine Lehrerin mal einen wertvollen Tipp gegeben. Und dieser trägt wirklich Früchte. Und wenn ich selbst so beobachte, ist dieser Tipp wirklich hilfreich.

Denke szenisch.

Um das zu verdeutlichen, nehmen wir als Beispiel ein Theaterstück. Alles, was bei diesem Stück auf der Bühne zu sehen ist, hat eine Bedeutung. Alles, was keine Bedeutung hat, ist nicht zu sehen. Oder auch beim Film. Alles, was in der Kameraeinstellung zu sehen ist, hat eine Bedeutung, will etwas erzählen. Es geht darum, sich zu fragen: Wo liegt der Fokus? Und genau diese Denkweise muss auch auf das Romanschreiben übertragen werden.

Denke bildlich, wenn du eine Geschichte schreibst. Was ist zu sehen? Was hat eine Bedeutung für die Szene? Beschreibe nur das und zwar so, wie du es im Theater oder im Film sehen würdest. Es ist nicht wichtig, jede kleinste Regung zu beschreiben, wenn eine Figur weint. Oder jedes kleinste Staubkörnchen in einer unaufgeräumten Wohnung. Oder jede einzelne Naht eines Kleides.

Es geht darum, zu fragen: Ist es wichtig, wie etwas ist oder dass etwas da ist? Ist es wichtig, dass ein Kleid ein Loch hat, weil es auf ein bestimmtes Handlungselement oder Motiv der Erzählung verweist, dann kann das ruhig näher beschrieben werden. Ist es etwas, dass die Handlung nicht voranbringt, dann halte dich zurück.

Seit ich versuche, darauf zu achten, gelingt es mir besser, die richtige Balance zu finden. Etwas Show, etwas Tell.

Versuche es!

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