Das TexTperiment

Vor ein paar Tagen saß ich vor meinem Laptop, schaute mir ein YouTube-Video an und plötzlich hatte ich so einen Moment. Ihr wisst schon, solch einen, in dem man plötzlich eine Idee hat, die im Kopf aufploppt und Dinge, die man nicht bedacht hat, einfach so Sinn ergeben. Ein Aha-Moment, der mich augenblicklich hellwach machte und mir gleichzeitig Denkfalten auf die Stirn zauberte. Ich saß vor meinem Laptop und hatte allerlei Fragen. Fragen zum Inhalt meiner Idee, zu Umfang und Zeit. Aber vor allem machte ich mir dazu Gedanken: Sollte ich dieses Experiment wirklich wagen? Sollte ich mich dafür entscheiden?

Was sich da in meinem Gehirn als grobe Idee formuliert hatte, war ein Schreibexperiment. Ich fragte mich, ob ich mich nicht für eine bestimmte Zeit hauptsächlich dem Schreiben widmen sollte. Das machen, wovon ich schon immer träumte. Einfach, weil ich gerade die Möglichkeit dazu habe, ohne an Geld, Druck oder sonst etwas zu denken. Im nächsten Moment kam mir die nächste Idee, wie ich das Experiment noch etwas spannender gestalten könnte. Es ging plötzlich nicht mehr darum, nur „einfach zu schreiben“. Aber dazu später mehr.

Ich dachte viel nach und sprach mit meiner Familie darüber. Schließlich stellte ich mir die Frage: Was hält mich eigentlich auf? Ich bin nicht gebunden, habe keine Verpflichtungen, bin noch jung genug. Einzig gesellschaftlicher Druck bremste mich und der Druck, den ich mir selbst deshalb machte. Doch passte ich jemals in diese Konventionen? Habe ich mich nicht spätestens mit meiner Selbstständigkeit ausgeklinkt und war das nicht eines der besten Dinge, die ich jemals gewagt habe?

Ich schaute in den Spiegel und überlegte schließlich: Was würde ich in 10 Jahren sagen, wenn ich diese Möglichkeit hätte verstreichen lassen? Wenn ich die Zeit, die ich jetzt habe, nicht genutzt hätte, um herauszufinden, was ich herausfinden will? Wenn ich in 10 Jahren verzweifelt versuchte, Job und Schreiben unter einen Hut zu bekommen, weil ich meine Möglichkeiten nicht genutzt habe?

Also…

… möge das Experiment beginnen!

Wie sieht dieses Experiment eigentlich aus? Im Prinzip ist es recht einfach zu erklären: Ich habe ein Ziel, ein Weg und darauf viele Stationen.

Mein Ziel ist es, in 3 Jahren 3 1/2 Bücher zu schreiben. Warum gerade dieses Ziel, dieser Zeitrahmen und die Anzahl der Projekte? Ich will nicht nur sehen, ob ich 1 Buch in einem Jahr schreiben kann. Ich will prüfen, ob das auch auf Dauer möglich ist. Ich will wissen, ob ich so mehrere Projekte realisieren kann. Ein Jahr ist schnell vorbei, das habe ich gerade im Letzten gemerkt. Deshalb möchte ich das Schreibexperiment für eine längere Zeit machen. 3 erschien mir eine gute Zahl. Dass ich mehr als 1 Projekt in einem Jahr realisieren kann, erschien mir mehr als fragwürdig. 1 Projekt pro Jahr finde ich allerdings einigermaßen realistisch, auch um selber dran zu bleiben und nicht der Prokrastination zu erliegen. Da ich mir also genug Druck machen will, um das Experiment zu befolgen, aber nicht zu viel, um trotzdem noch Spaß und ein Leben zu haben, setzte ich mir das Ziel 1 Projekt pro Jahr. Wie komme ich nun auf die Zahl 3 1/2? Ist da in meiner Rechnung nicht etwas schief gelaufen? Nein, denn ich starte nicht mit 0 Projekten in mein Experiment. Aktuell schreibe ich an meinem Debütroman, den ich unbedingt beenden will. Deshalb werden es 3 1/2 abgeschlossene Projekte in 3 Jahren.

Mein Weg ist simpel: Schreiben, schreiben, schreiben. Vielleicht ein wenig plotten, ein wenig denken, Inspiration einholen, überarbeiten. Und wieder schreiben, schreiben, schreiben. Bis ich das Wort „Ende“ unter ein Projekt setzen kann und mit dem Nächsten beginne. Und am Ende habe ich, wenn alles nach Plan läuft, 3 fertige Romane und einen halben. Und einen Sack voll Erkenntnisse zusätzlich.

Meine Stationen werden alle unterschiedlich aussehen. Ich werde Berge besteigen, durch tiefe Gewässer schwimmen, durch Sümpfe waten, Dschungel durchqueren und so weiter. Natürlich bildlich gesprochen. Ich werde auf meinem Weg verschiedene Dinge ausprobieren, die mir zeigen werden, welche Art Autorin ich bin und wie ich am besten mit meinen Texten arbeite. Ich will verschiedene Schreibroutinen, Genres und Techniken probieren, zum ersten Mal beim NaNoWriMo mitmachen oder verschiedene Programme und Tools nutzen. Schreibkurse und Schreibgruppen sind auf meiner Liste sowie Schreibmarathons und so weiter. Im Prinzip sind bei meinem Schreibexperiment keine Grenzen gesetzt. Nur einen ungefähren zeitlichen Rahmen habe ich mir für meine Aufenthalte an den Stationen vorgenommen: Da ich wissen will, welchen Langzeiteffekt sie bei mir auslösen und ich auch noch so ab und zu arbeite, will ich 1 bis 2 Wochen an einer „Station“ bleiben.

Um meinen Weg auch anderen sichtbar zu machen und meinen Fortschritt quasi zu „tracken“, werde ich meinen Blog umstrukturieren und im Rahmen meines Experiments fortsetzen.

Was bisher geschah…

Bisher hatte ich diesen Blog teilweise auch als Marketingsache gesehen. Mit regelmäßigen Beiträgen regelmäßige Besuche auf meiner Website zu sichern, schien mir ein guter Weg. So machten es andere ja schließlich auch. Gleichzeitig dachte ich, mit verschiedenen Artikeln zum Thema Literatur und Schreiben selbst noch eine Menge lernen zu können. Das Zweitere ist durchaus richtig. Allerdings ist es mir bisher eher schwerer gefallen, Themen zu finden, über die ich schreiben könnte. Ich habe mir zwar eine Liste geschrieben mit Themen, die meiner Meinung nach interessant erschienen und auch schon ein paar ganz ordentliche Artikel geschrieben, wie ich finde. Doch fiel es mir immer schwer, die festgesetzte Deadline einzuhalten oder mich hinzusetzen, um meine Gedanken zu einem bestimmten Thema zu ordnen und aufzuschreiben. Es war bisher oft auch eine Art Krampf und ich denke, man merkt es meinen Artikeln auch an, wenn sie mir Spaß gemacht haben oder wenn ich zumindest genau wusste, was ich schreiben wollte. Bis zu diesem offenbarenden Moment war der Blog immer etwas, was ich nebenher einfach machen wollte. Etwas, das aber nie so wirklich im Fokus lag oder dessen Potenzial ich einfach nicht erkannte. Es war immer etwas, das ich so zusätzlich machte, was ich aber nicht hundertprozentig mit meiner Leidenschaft für das Thema verbinden konnte. Ich fand bisher keinen wirklichen Zugang dazu.

Mit diesem Experiment soll sich das aber ändern. Auch wenn es ein persönliches Experiment ist und ich damit nicht Aufmerksamkeit erhaschen möchte, so möchte ich doch meine Erfahrungen gern teilen. Der Gedanke, die jeweiligen Ergebnisse meines Schreibexperiments mit der Außenwelt zu teilen, die nicht meine Familie und Freunde sind, kam mir schon sehr früh. Ich dachte über einen YouTube-Kanal nach, verwarf die Idee aber schnell wieder. Ich weiß, ich bin weniger der Mensch dafür. Es kostet mich Überwindung, vor einer Kamera zu reden und dann das Schneiden und Editieren erst. Uff! Allerdings habe ich hier diesen Blog angefangen. Einen Blog, der meine Gedanken zu bestimmten Dingen an die Außenwelt transportieren sollte. Und zu dem ich bisher keinen Zugang fand, obwohl ich meine Gedanken besser schriftlich nach außen tragen kann. Und da kam mir die Idee: Der Blog soll meine Schritte auf meinem Weg begleiten. Je mehr ich das durchdenke, weiß ich, dass das genau das ist, wofür dieser Blog gemacht ist. Er hat jetzt eine Richtung, ein Thema bekommen und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, fühlt sich nun alles stimmig an.

Die Transformation

Dazu muss ich meinen Blog zumindest für mich reorganisieren. Es gilt, den Blog an mein Experiment anzupassen. Die alten Beiträge werde ich online lassen. Zum einen habe ich ziemlich viel Arbeit hineingesteckt. Zum anderen möchte ich die bisherigen Artikel nicht verleugnen, indem ich sie offline nehme. Sie sind Teil meiner Reise, die ich mit dem Start meiner Selbstständigkeit begonnen habe.

Allerdings wird diese Reise nun eine neue Richtung einschlagen. Ich werde mich auf einen neuen Pfad begeben und euch über meinen Blog als Begleiter mitnehmen. Alle kommenden Beiträge haben mit meinem Experiment zu tun. Ob es eine Schreibroutine ist, die ich ausprobiere, mein Feedback zu Kursen und Programmen oder anderes. Alles, was hier kommt, wird in den Rahmen meines Schreibexperiments gefasst.

Ich plane, ein- bis zweimal im Monat einen ausführlichen Blogbeitrag zu schreiben. Zusätzlich werde ich auf meinem Twitterkanal @textnah unter dem Hashtag #TexTperiment zwischendurch Updates posten.

Ich freue mich über jeden, der mich bei diesem Experiment begleitet!

2 Comments

  1. Liebe Tanja,
    eine tolle Idee. Ich wünsche dir ganz viel Glück und gute Nerven. Ich freue mich auf deine Berichte vom Schreibtisch und warte schon gespannt auf den nächsten.
    Ich liebe es Schreibexperimente zu starten. Ich selbst arbeite gerade auch an einem. 7 Tage täglich bloggen und wieder in den Überarbeitenmodus von meinem Krimi reinkommen.
    Viele liebe Grüße
    Stephanie

    1. Liebe Stephanie,

      vielen Dank für diesen lieben Kommentar! Ich bin gerade dabei, den Beitrag zu meiner ersten Challenge zu schreiben. Spätestens Ende der Woche sollte er online kommen 🙂
      Dein Experiment klingt auch richtig spannend. Jeden Tag einen Beitrag schreiben ist auch nicht so leicht, ich wünsche dir dabei viel Erfolg! Ich bin gespannt, was du zu berichten hast und werde auf jeden Fall reinlesen 🙂

      Liebe Grüße
      Tanja

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