2000 Wörter – Kann ich oder?!

Da saß ich nun am Schreibtisch, den Blogartikel vom “Textperiment” hochgeladen, glücklich und zufrieden seufzend, bis mir auffiel, dass ich noch gar keine Entscheidung über meine erste Challenge getroffen hatte. Zuvor hatte ich mir eine Liste angelegt, mit all den Dingen, die mich für mein Schreibexperiment interessierten. Doch mit was sollte ich nun starten? Ich hatte keine Ahnung. Hinter meiner Stirn blinkte der Cursor auf dem leeren Bildschirm und wartete darauf, zum Einsatz zu kommen.

Ich begann, meine Liste durchzusehen und schüttelte bei vielen Dingen den Kopf. Zu viel, zu schwierig, nicht für den Anfang passend. Es sollte wohl etwas Simples zu Beginn sein. Und ja, es stimmte, ich wollte hier ein Experiment über 3 Jahre lang aufziehen. Da konnte ich nicht gleich mit einem Hammer beginnen. Zumal ich gerade selbst dabei bin, so etwas wie eine Routine zu bilden. Seit meinem Abschluss ist es das erste Mal, seit ich wieder konsistent schreibe. Mein Blick blieb an den Wortzielen hängen und da ging mir ein Licht auf. Ich müsste nicht viel verändern für meine erste Challenge. Ich müsste einfach nur mein Wortziel nach oben schrauben. Ja, das wäre doch etwas. Also beschloss ich: Für acht Tage sollte mein Manuskript um 2000 Wörter pro Tag wachsen. Ich hatte außer diesem Limit keinerlei Bedingungen, keine Grenzen, keine weiteren Merkmale. Das Ziel war einfach nur, mein Manuskript zu füllen.

Warum überhaupt Wörter zählen?

Die einen zählen die Stunden, die anderen die Seiten und viele andere die geschriebenen Wörter. “Schreibe jeden Tag eine gewisse Anzahl an Wörtern und bald hast du einen Roman”, heißt es in vielen Schreibratgebern. Und es hat in der Tat etwas an sich: “Heute schreibe ich x Wörter, vorher höre ich nicht auf.” Das ist etwas, das man bald verinnerlicht.

Es hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden, eine Routine aufzubauen und leichter dran zu bleiben. Gerade wenn man nur die eigene Deadline zu erfüllen hat, pusht so ein Leitsatz extrem, immer mehr zu schaffen und mehr aus sich und dem Manuskript herauszuholen. Gleichzeitig ist das Hochgefühl riesig, wenn das Limit überschritten, ja sogar verdoppelt oder verdreifacht wird.

Auch ich gehöre zu den Autoren, die ein Wortlimit haben. Ich wollte damit meine Routine aufbauen. Da ich bisher zwischen meinen Schreibphasen immer große Pausen hatte, fiel es mir auch immer sehr schwer, wieder in den Flow reinzukommen. Mit einem Wortlimit wollte ich die Größe des Manuskripts für mich etwas minimieren, weil es mich überwältigte, wie viel ich noch zu schreiben habe, bis es fertig ist. Zudem wollte ich mich motivieren, jedes Mal dran zu bleiben, auch wenn es nicht so gut lief. Das Wortlimit war bisher einer der Faktoren, die mich beim Schreiben selbst motiviert haben, mehr zu schreiben.

Bisher war mein Wordcount eher niedrig. Ich startete mit 500 Wörtern. Wenn ich diese geknackt hatte, war ich happy. Die 500 Wörter ließen sich gut in meinen Alltag und meine damalige Schreibgeschwindigkeit integrieren. Allerdings merkte ich, dass es darauf ankommt, wie weit ich in der Story bin, wie sicher ich bin, wie die Story weitergeht und wie vertraut ich mit meinem Thema bin. Denn je weiter ich mit dem Manuskript vorankam, desto weniger war es für mich ein Problem, einen Haufen Wörter aufs Papier zu bekommen. Vielleicht war es auch die Routine, die sich nach einiger Zeit einstellte. 500 Wörter waren irgendwann überhaupt kein Problem mehr. Im Gegenteil.

Kurz vor Beginn des “Textperiments” haute ich schon meistens 1000-1500 Wörter pro Tag ins Manuskript. Da ich hier aber auch meine Komfortzone verlassen möchte und mir Herausforderungen setze, musste ich das Limit noch weiter anheben. So weit, dass es eine Herausforderung blieb, aber mich auch nicht demotivierte, falls ich es nicht schaffte. Und da war die Zahl 2000 in meinem Kopf.

Also konnte es losgehen, die erste Challenge war geboren.

Der Anfang: Tag 1-3

So setzte ich mich am 28.04.2021 vor den Bildschirm, hoch motiviert, die erste Challenge zu starten. Ich weiß nicht, ob es naiv war, anzunehmen, es würde gleich gut losgehen. Der Anfang war sehr schwierig, das Prokrastinationslevel hoch. Im Nachhinein denke ich, dass es bei jeder Herausforderung so ist, wenn man sich genaue Aufgaben setzt und diese versucht, zu erfüllen, wo vorher ungebundene Freiheit war und in meinem Fall geschrieben wurde, wann ich Lust dazu hatte.

An meinem ersten Tag kam ich schon an meine Grenzen. Ich schrieb an meinem Desktop-PC, wo ich normalerweise nur lektoriere. Ich hatte mich schon so daran gewöhnt, dort nur zu überarbeiten, dass es wirklich Mühe kostete, Wörter ins Manuskript zu bekommen. Das war die Tage zuvor, als ich noch am Laptop schrieb, ganz anders. Da flossen die Wörter geradezu aus meinen Händen. Was war da nur los? Konnte es sein, dass ich mich unbewusst darauf eingestellt hatte, den einen PC für das Lektorat und den anderen zum schreiben zu benutzen? Ich beschloss, die folgenden Tage die Geräte abzuwechseln, um eine Antwort zu erhalten.

Nach diesem ersten “Fehlstart” lief es an den anderen beiden Tagen dafür sehr gut. Ich schaffte es immer, sogar etwas mehr als die 2000 Wörter zu schreiben. Das Wechseln der Geräte bereitete mir erstaunlicherweise an den beiden anderen Tagen kaum Probleme. Ich merkte, dass ich am Desktop-PC mehr Zeit brauchte. Allerdings war irgendwann der Damm gebrochen, wie man so schön sagt. Ab einem gewissen Zeitpunkt konnte ich mich mehr auf mein Manuskript fokussieren und ganz brauchbare Szenen schmieden. So kann ich mit dem Beginn doch recht zufrieden sein.

Die Mitte: Tag 4-6

Die Mitte meines Experiments war allgemein zufriedenstellend. Das Prokrastinationslevel war niedrig, ich fühlte mich sehr auf meine Aufgaben fokussiert.

Der vierte Tag war trotzdem ein kleiner Dämpfer. Mit 160 Wörtern hatte ich seit langer Zeit meinen niedrigsten Wordcount erreicht. Aus lauter “Verzweiflung” beschloss ich, meine Kapitelbeschreibungen, aus denen ich die fertigen Kapitel entwickle, mitzuzählen. Es lief trotzdem viel zu zäh. Ich hatte vor dem Schreiben viel Zeit damit verbracht, meine E-Mails zu checken und zu schreiben und auf Social Media aktiv zu sein. In unserer heutigen Welt ist es wichtig, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen, erreichbar zu sein. Vor allem auch, wenn man in der medialen Welt Fuß fassen will. Doch zu welchem Zeitpunkt und in welcher Menge ist das gesund? Ich hatte meinen “Konsum” diesbezüglich schon seit dem letzten Jahr drastisch reduziert. Einfach, weil ich merkte, dass es meiner Psyche nicht guttut. War es nun an der Zeit, das noch mehr einzustellen? Nicht, dass meine Psyche davon Schaden trug. Aber nimmt es mir einfach die Motivation und die Zeit? Auch hier beschloss ich, täglich abzuwechseln und zu variieren.

Und siehe da: Ich brauchte am nächsten Tag zwar etwas länger als üblich, aber ich schaffte mein Ziel ohne die Mails. Gelassener. Es gab mir ein gutes Gefühl, nicht durch den Gedanken an Mails und Social Media morgens schon gedrängt zu werden.

Und auch am Folgetag knackte ich die 2000 Wörter fast. An diesem Tag waren allerdings nicht die Mails das Problem, sondern dass ich mich durch andere Menschen ablenken ließ. Ich führte zwar viele durchaus wertvolle Diskussionen, mit meiner Challenge hatte ich es dadurch allerdings schwer.

Das Ende: Tag 7 und 8

Mit 1947 geschriebenen Wörtern zähle ich den vorletzten Tag von Challenge 1 trotzdem als geschafft. Auch wenn ich meine Mails vor dem Schreiben checkte, lief es nicht schlecht. Ich merkte, dass das Kapitel, an dem ich schrieb, einfach noch nicht ausgereift war und Überarbeitung benötigt. Es gibt noch Ungereimtheiten, die ich reparieren muss. Aber wofür gibt es die Überarbeitungsphase? Ich “quälte” mich also etwas durch und konnte mein Ziel ganz knapp erreichen.

Der letzte Tag war wieder etwas schwächer. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass es der letzte Tag der Challenge war oder dass es ein Freitag war und ich da eh immer ziemlich viel anderes rund um Haushalt & Co. organisieren muss. Der Tag ist immer etwas voll, vielleicht muss ich da generell einkalkulieren, meine Ziele nicht wirklich zu schaffen.

Das Prokrastinationslevel stieg an diesen letzten beiden Tagen. Ob der Grund das Ende der Woche war? Das Ende der ersten Challenge? Das weiß ich nicht.

Ergebnisse

Letztendlich habe ich meine erste Challenge zu 50 % erfüllt. An vier von acht Tagen habe ich die 2000 Wörter geknackt. Insgesamt habe ich in der Woche 11.179 Wörter geschrieben, was an sich schon eine ganze Menge ist. Wenn ich diese Zahl jetzt so vor mir sehe, bin ich schon etwas stolz auf mich.

Ich habe in dieser Woche auch die 50.000 Wortmarke in meinem Manuskript geknackt. Offiziell kann ich nun also von einem Roman sprechen.

Welche Erkenntnisse habe ich sonst mitgenommen?

1)   Ob Laptop oder Desktop-PC ist Gewöhnungssache. Nach ein paar Tagen konnte ich auch am Desktop-PC gut schreiben. Der Grund, weshalb es mich in letzter Zeit eher zum Laptop zieht, ist wahrscheinlich, dass mein Desktop-PC schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat und nicht mehr der Schnellste ist. Es verleitet mehr dazu, sich doch mal schnell mit Twitter & Co. abzulenken, wenn der alte Herr noch Zeit braucht, um das Manuskript oder eine Website für die Recherche zu laden. Zum Überarbeiten ist es okay, aber fürs Schreiben ist mir der Laptop lieber.

2)   E-Mails und Social Media vor dem Schreiben zu checken, verbraucht zu viel meiner Energie und Zeit und lenkt mich zu sehr ab. Auch wenn es für mich möglich ist, danach durchaus produktiv und fokussiert zu arbeiten, ist meine Energie meistens verpufft und ich brauche länger für meine Aufgaben. Ich denke zu viel über das nach, was ich dort lese. Ich werde mir bestimmte Zeiten für Mails und Social Media nehmen. Dann kann ich mich besser auf das Schreiben fokussieren.

3)   Ich muss meine Schreib- und Arbeitszeiten besser verteidigen. Ich bin eigentlich immer zum Quatschen da, nur dadurch gerate ich oftmals aus dem Flow. Das ist etwas, was ich in Zukunft noch mehr angehen muss.

Andere, eher zufällige Ergebnisse:

4)   Durch einen Zufall habe ich meinen Bürostuhl etwas nach unten verstellt. Und ich muss sagen, ich liebe es. Warum saß ich immer so weit oben?

5)   Da ich bei meinem Brotjob teilweise sehr gut nachdenken kann, lässt es sich mit dem Schreiben wunderbar vereinen. Hier kann ich sehr gut plotten und Vorarbeit leisten.

Generell hat mir diese erste Challenge schon sehr viele Erkenntnisse gebracht, was ich so nicht erwartet hatte. Ich habe gelernt, dass ich die Fähigkeit besitze, so eine hohe Wortzahl zu produzieren. Es geht, manchmal sehr gut und sogar in kürzester Zeit. Aber ich bin froh, dass ich das nicht zwingend immer tun muss. Es bedeutet auch eine Art Zwang und dass man manchmal etwas schreibt, was nicht ganz durchdacht ist oder womit man nicht gänzlich zufrieden ist. Ich weiß, dass das zum Schreiben dazugehört und ich bin auch der Meinung, dass man da durch muss, auch wenn es nicht perfekt klingt. Dass man es überarbeiten kann. Aber nur, wenn man es gerade nicht anders formulieren kann. Wenn man Sätze schreibt, nur damit die Wortzahl stimmt, dann ist das nicht gut.

Trotzdem bin ich froh, diese erste Challenge so gemacht zu haben. Sie wird auch nicht meine einzige Wortzahl-Challenge bleiben. Wie eingangs erwähnt, ist ein Wordcount auch immer etwas, das pusht. Und ich bin gespannt, wohin mich andere Wortlimits noch bringen werden. Bis dahin habe ich aber noch vieles anderes zu entdecken. Seid gespannt!

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